{"id":9450,"date":"2022-03-18T16:02:08","date_gmt":"2022-03-18T15:02:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kirchnerhaus.com\/?p=9450"},"modified":"2022-07-06T15:08:00","modified_gmt":"2022-07-06T13:08:00","slug":"der-kirchner-kubus-geht-auf-die-reise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kirchnerhaus.com\/index.php\/der-kirchner-kubus-geht-auf-die-reise\/","title":{"rendered":"Der \u201eKirchner-Kubus\u201c geht auf die Reise"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:calc( 1200px + 20px );margin-left: calc(-20px \/ 2 );margin-right: calc(-20px \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_1 1_1 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:100%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:10px;--awb-margin-bottom-large:0px;--awb-spacing-left-large:10px;--awb-width-medium:100%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:10px;--awb-spacing-left-medium:10px;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:10px;--awb-spacing-left-small:10px;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1 awb-text-cols fusion-text-columns-3\" style=\"--awb-text-transform:none;--awb-columns:3;--awb-column-spacing:2em;--awb-column-min-width:300px;\"><p>Von Aschaffenburg \u00fcber K\u00f6nigstein nach Davos. Nur wenige hundert Meter entfernt vom Geburtshaus des bedeutenden expressionistischen K\u00fcnstlers Ernst Ludwig Kirchner stand von Mitte Oktober 2021 bis Mitte Januar 2022 am meistfrequentierten Ort der ganzen Stadt, dem Bahnhofsvorplatz, ein kubisches Bauwerk in de Ma\u00dfen von etwas mehr als 6 x 6 x 6 Metern: In leuchtenden Farben \u2013 vor allem dem ber\u00fchmten \u201eKirchner-Blau\u201c \u2013 sprangen den Passanten fr\u00f6hlich sich in Meereswellen tummelnde Badende ins Auge. <!--more-->Geschaffen wurden sie vom kriegstraumatisierten Ernst Ludwig Kirchner in einem Sanatorium in K\u00f6nigstein im Taunus im Weltkriegs-Jahr 1916: Dort malte er auf mehr als 4 m hohen W\u00e4nden seine schmerzlich-sch\u00f6nen Erinnerungen an Ferien auf der Ostseeinsel Fehmarn mit ihren Badenden in raumgreifenden Bildern und leuchtenden Farben von der Seele. Dieses gro\u00dfe Werk expressionistischer Wandmalerei und Raumgestaltung war in der Zeit des Nationalsozialismus zerst\u00f6rt worden. Zeitgen\u00f6ssische SW-Fotos lie\u00dfen zwar die gro\u00dfartige Komposition erahnen; die entscheidende Farbigkeit schien jedoch f\u00fcr immer verloren. Als dann vor mehr als 10 Jahren Lumi\u00e8re-Platten aus dem Jahr 1926 mit Farbfotografien der Bilder wiederentdeckt wurden, verstand man Kirchner, wenn er sagte: \u201eIch kann nicht verstandesm\u00e4\u00dfig arbeiten, ich bin zu sehr Farbenmensch dazu.\u201c Dr. Brigitte Schad, die Gr\u00fcndungsvorsitzende des Vereins Kirchnerhaus Aschaffenburg, jetzt Leiterin des Kirchnerhaus Museums Aschaffenburg und Kuratorin der \u201eBadenden\u201d Ausstellung, entwickelte den ehrgeizigen Plan, die Wandgem\u00e4lde zu rekonstruieren. Sie leistete viel \u00dcberzeugungsarbeit und fand tatkr\u00e4ftige Mitstreiter. Dr. Brigitte Schad und Prof. Dr. Jens Elsebach von der TH Aschaffenburg entwickelten ein Konzept zur Rekonstruktion der Wandbilder und sp\u00e4ter eines zur ma\u00dfstabsgetreuen Nachbildung des Brunnenturms. Um Kirchners Farben auf den Wandgem\u00e4lden zu rekonstruieren, wurden nicht nur von der TH Aschaffenburg die Glasplatten digitalisiert und computergest\u00fctzt ausgewertet, sondern auch viele andere Gem\u00e4lde des K\u00fcnstlers von Dr. Brigitte Schad und der TH analysiert, sodass im Fotolabor die Wandgem\u00e4lde im Originalma\u00dfstab rekonstruiert werden konnten. Wir k\u00f6nnen davon ausgehen, dass das Ergebnis dem urspr\u00fcnglichen Zustand sehr nahe kommt. Der Innenraum des Brunnenturms wurde mit Laserscan-Technologie dreidimensional erfasst. Diese computergest\u00fctzten Arbeiten waren die Voraussetzung f\u00fcr ein fotorealistisches 3-D-Modell des Originalzustandes des Brunnenturms im Sanatorium aus den 1920er Jahren. Trotz der Zerst\u00f6rung k\u00f6nnen Kunstinteressierte den Wandzyklus mehr als hundert Jahre nach seiner Entstehung nun wieder in seiner Farbigkeit und Raumwirkung virtuell am Bildschirm erleben: als Video-Animation verschiedener Zust\u00e4nde des Brunnenturms. Mit der realen Rekonstruktion der f\u00fcnf bis zu 4,14 Meter hohen Wandgem\u00e4lde hat das Kirchnerhaus auch einen bemerkenswerten Schritt in den st\u00e4dtischen Raum unternommen: Auf dem Bahnhofsvorplatz, neben dem Haupteingang, entstand ein eigens daf\u00fcr geschaffenes Bauwerk, der \u201eKirchner-Kubus\u201d, eine begehbare Nachbildung eben dieses Brunnenturms. Sie gilt in Fachkreisen als Sensation und wurde von anderen Museen, die ebenfalls Kirchner im Fokus haben, sofort angefragt. Aufgrund des Erfolgs dieses am Aschaffenburger Bahnhofs- Vorplatzes entstandenen \u201eKirchner-Kubus\u201c, einem von privaten und \u00f6ffentlichen F\u00f6rderern unterst\u00fctzten Projekt des Kirchnerhaus Aschaffenburg e.V. in Zusammenarbeit mit der TH Aschaffenburg und einer Aschaffenburger Baufirma, geht der Kubus nun \u00fcber Landesgrenzen hinweg auf Tour und macht ab 24. M\u00e4rz bis 16. Juni 2022 zun\u00e4chst Station in K\u00f6nigstein im Taunus. Im Zentrum der Stadt, in der Konrad-Adenauer- Anlage, wird er erneut an das Schaffen des Expressionisten w\u00e4hrend seines Sanatoriumsaufenthaltes in K\u00f6nigstein im Jahr 1916 erinnern. Die Einzigartigkeit dieser Idee und ihres daraus entstandenen Bauwerks sprach sich in Kirchner- Kreisen bald weit herum, und so erhielt der Kirchnerhaus Verein Aschaffenburg vom namhaften Kirchner Museum in Davos die Anfrage, ob nach K\u00f6nigstein auch noch eine weitere Station in Davos, dem Heimatort Kirchners von 1918 bis zu seinem Tod 1938, m\u00f6glich sei. Und so wird die dritte Station des \u201eKirchner-Kubus\u201c ein exklusiver Standort im Park vor dem bedeutenden Kirchner Museum Davos in der Schweiz sein. Dort wird er am 25. Juni 2022 er\u00f6ffnet werden und bleibt wohl stehen, bis in Davos im Oktober der erste Schnee f\u00e4llt. Und die von Aschaffenburg ausgegangene Tournee wird als gro\u00dfartiges Beispiel bilateraler kultureller Zusammenarbeit in Erinnerung bleiben; ein Wert, der in unseren kriegsbedrohten Zeiten nicht hoch genug eingesch\u00e4tzt werden kann.<\/p>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Aschaffenburg \u00fcber K\u00f6nigstein nach Davos. 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