25.10.2025 – 08.02.2026
GEGEN ALLE WIDERSTÄNDE – Künstlerinnen der Moderne
Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein mussten Frauen in Deutschland gegen zahlreiche Hürden kämpfen, um als Künstlerinnen wahrgenommen zu werden. Der Zugang zu Kunstakademien blieb ihnen bis 1918 verwehrt, stattdessen verwies man sie in die Rolle der Muse oder in dekorative „Damenkunst“.
Erst in der Weimarer Republik öffneten sich langsam Türen – doch Anerkennung im männlich dominierten Kunstbetrieb blieb die Ausnahme. Mit der Machtübernahme der National- sozialisten wurden viele Künstlerinnen erneut entrechtet: als „entartet“ diffamiert, verfolgt, vertrieben oder ermordet. Die Ausstellung „GEGEN ALLE WIDERSTÄNDE“ widmet sich jenen Frauen, die trotz aller Einschränkungen ihren künstlerischen Weg gingen und ein eindrucksvolles Œuvre hinterließen. Sie schufen Werke von höchster Qualität, voller Innovationskraft und mit Themen, die bis heute berühren. Manche wie Käthe Kollwitz oder Gabriele Münter erlangten schon zu Lebzeiten Ansehen, viele andere wurden erst in den letzten Jahrzehnten wiederentdeckt.
Zu sehen sind Arbeiten bedeutender Künstlerinnen der Moderne, darunter Paula Modersohn-Becker, Käthe Kollwitz, Emma Ritter, Gabriele Münter, Else Meidner, Emy Roeder, Elfriede Lohse-Wächtler, Jeanne Mammen, Elsa Bertha Fischer-Ginsburg und weitere. Ihre Werke umfassen Malerei, Druckgrafik, Plastik und Zeichnung – und sie spiegeln die ganze Vielfalt künstlerischer Ausdrucksformen ihrer Zeit.
Die Ausstellung macht sichtbar, was lange übersehen wurde: Frauen trugen entscheidend zur Entwicklung der Moderne bei. Sie waren nicht nur Begleiterinnen berühmter Kollegen, sondern eigenständige, mutige und wegweisende Künstlerinnen. Das KirchnerHAUS Museum Aschaffenburg lädt dazu ein, ihre faszinierenden Lebenswege und Werke neu zu entdecken – als Zeugnisse von Widerstandskraft, künstlerischer Unabhängigkeit und inspirierender Kreativität.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, ca. 130 Seiten, 83 Abbildungen, 29,50 €.
Werke der Ausstellung

Paula Modersohn-Becker, Brustbild eines Mädchens mit Strohhut und Kind im Profil (Sonnige Kinder), um 1903, Tempera auf Karton, Privatsammlung

Hanna Nagel, Glomme, 1929, Graphit/Aquarell auf Papier, Sammlung Frank Brabant © VG Bild-Kunst, Bonn 2025, Foto: Sammlung Frank Brabant, Wiesbaden

Käthe Kollwitz, Turm der Mütter, 1937/38, Bronze, Privatsammlung Ute Kahl © Foto: Fotostudio Fuis, Köln

Else Meidner, Selbstporträt mit entblößter Brust, 1925, Kaltnadelradierung, Jüdisches Museum Frankfurt © Jüdisches Museum Frankfurt, Ludwig Meidner-Archiv, Foto: Herbert Fischer

Emy Roeder, Pariserin, 1934, Bronze, Privatsammlung Aschaffenburg © Museum im Kulturspeicher Würzburg, Nachlass Emy Roeder, Foto: Museen der Stadt Aschaffenburg, Sabine Denecke

Elfriede Lohse-Wächtler, Studie eines Frauenkopfes, 1919, Pastellkreide auf Papier Privatsammlung Aschaffenburg © Foto: Museen der Stadt Aschaffenburg, Sabine Denecke
Biografien der Künstlerinnen
Lou Albert-Lasard
Metz 1885–1969 Paris
Lou Albert-Lasard (auch: Lazard) wurde im lothringischen Metz geboren. Ihre Ausbildung erhielt sie an privaten Kunstschulen in München. Hier lernte sie die Mitglieder des Blauen Reiters kennen. In den 1920er-Jahren lebte sie u.a. in Berlin und Paris, wo sie sich in den Kreisen der künstlerischen Avantgarde bewegte. In ihrer Kunst entwickelte sie nach expressionistischen Anfängen eine eigenständige farbintensive Bildsprache. 1939 wurde sie als Jüdin in das Lager Gurs interniert und hielt das Leben dort in eindrucksvollen Zeichnungen fest. Nach 1945 lebte Albert-Lasard in Paris. Ein Großteil ihrer Werke befindet sich heute im Musée d’Art Moderne et Contemporain in Straßburg.
Tina Bauer-Pezellen
Cattaro, Dalmatien 1897–1979 Weimar
Tina Bauer-Pezellen studierte von 1917 bis 1924 an Kunstgewerbeschulen und Akademien, zunächst in Wien, später in München. Neben ihrer künstlerischen Tätigkeit arbeitete sie zeitweise auch als Gebrauchs- und Werbezeichnerin. Ihre Darstellungen von verzweifelten Müttern und hungernden Kindern beschreiben die Folgen von Armut und Verelendung in der Zwischenkriegszeit. Von den Nationalsozialisten verfemt, zog sie sich 1937 mit ihrer Familie nach Weimar zurück. Nach 1945 wurde ihr Werk in der DDR gewürdigt: 1973 erhielt sie den Kunstpreis der Stadt Weimar, 1977 die Ehrenmitgliedschaft im Verband Bildender Künstler der DDR.
Else Blankenhorn
Karlsruhe 1873–1920 Konstanz
Else Blankenhorn schuf ihr bekanntes Œuvre vor allem in den Jahren 1906 bis 1919 im Sanatorium Bellevue in Kreuzlingen am Bodensee. Ihre Herkunft aus einer wohlhabenden Familie erlaubte es ihr, die Zeit im Sanatorium, in dem sie sich wegen ihres psychisch labilen Zustands befand, als Freiraum zur künstlerischen Entfaltung zu nutzen. Sie schuf Öl- und Aquarellbilder in einem eigenständigen Stil, der u.a. Einflüsse von Symbolismus und japanischer Kunst aufweist. Dabei verstand sie sich selbst jedoch nicht als Künstlerin. Ernst Ludwig Kirchner, der sich 1917/18 auch im Bellevue aufhielt, zeigte sich tiefbeeindruckt von ihren Werken.
Lilia Busse
Moskau 1897–1958 Berlin
Lilia Busse kam aus einer wohlhabenden deutschen Familie, die bis 1914 in Moskau lebte. Sie studierte in München und Berlin, unter anderem bei Lovis Corinth. Ab 1921 beteiligte sie sich an wichtigen Ausstellungen wie der Großen Berliner Kunstausstellung. Ihre Arbeiten bewegen sich zwischen Expressionismus und Neuer Sachlichkeit. Anfang der 1930er-Jahre ließ sie sich in Spanien nieder. Trotz eines Ausstellungsverbots ab 1933 kehrte sie 1936 wegen des Spanischen Bürgerkriegs, finanziellen Nöten und gesundheitlichen Problemen nach Berlin zurück. Während des Krieges arbeitete sie als Übersetzerin. Nach 1945 konnte sie nicht mehr an ihre ersten Erfolge anknüpfen.
Maria Caspar-Filser
Riedlingen 1878–1968 Brannenburg
In Stuttgart und München künstlerisch ausgebildet, entdeckte Maria Caspar-Filser 1905 auf einer Parisreise die Kunst von Cézanne und van Gogh für sich. Schon zu Lebzeiten war sie als Künstlerin anerkannt: Als einzige Frau war sie an der Gründung der Münchener Neuen Secession beteiligt. 1914 erhielt sie den renommierten Villa- Romana-Preis, 1916 holte Lovis Corinth sie in die Berliner Secession. 1925 wurde sie als erste Frau an der Akademie der Bildenden Künste München zur Professorin ernannt. Von den Nationalsozialisten diffamiert und aus dem öffentlichen Kunstleben gedrängt, zog sie sich ins Private zurück. Nach 1945 wirkte sie maßgeblich am Neuaufbau der Kunstszene in der Bundesrepublik mit.
Lucie Cousturier
Paris 1876–1925 Paris
Lucie Cousturier, die einer wohlhabenden Pariser Familie entstammte, war Schülerin von Paul Signac und Henri-Edmond Cross. Von der pointillistischen Malweise ihrer Lehrer ausgehend, entwickelte sie eine freiere, farbintensive Handschrift und stellte regelmäßig im avantgardistischen Salon des Indépendants sowie in Brüssel und Berlin aus. Ab 1911 publizierte sie als Fachautorin zum Neo-Impressionismus, schrieb Monografien über Seurat, Signac und Cross und profilierte sich zugleich als Kunstkritikerin. Anfang der 1920er- Jahre reiste sie nach Westafrika. Hier entstanden zahlreiche Aquarelle, aber auch antikolonialistische Schriften.
Elsa Bertha Fischer-Ginsburg
Königsberg 1901–1998 Aschaffenburg
Elsa Bertha Fischer-Ginsburg wuchs in Hamburg und Berlin auf. Ihre Ausbildung erhielt sie unter anderem an der Schule für Bildende Kunst von Hans Hofmann in München. 1923 heiratete sie den Maler Heinrich Fischer und ließ sich mit ihm in Aschaffenburg nieder. Bekannt wurde sie vor allem mit expressiven Porträts und Radierungen. 1935 erhielt sie als Jüdin Berufsverbot, konnte sich mit ihrer Familie während der NS-Zeit aber nahe Aschaffenburg versteckt halten und so einer Deportation in eines der NS-Vernichtungslager entgehen. Nach 1945 setzte sie ihr Werk mit farbiger Druckgrafik und Malerei fort und blieb bis ins hohe Alter künstlerisch aktiv.
Paule Gobillard
Quimperlé 1867–1946 Paris
Paule Gobillard kam bereits als Kind mit dem französischen Impressionismus in Kontakt. Sie wurde von ihrer Tante, der Malerin Berthe Morisot, die ihrerseits Schwägerin von Édouard Manet war, und von Auguste Renoir unterrichtet. In Ölgemälden, Pastellzeichnungen und Aquarellen verband Gobillard einen impressionistischen Duktus mit ruhiger Farbigkeit und klarer Komposition. Sie stellte regelmäßig im Pariser Salon des Indépendants aus. In ihrem Werk finden sich Landschaften, Genreszenen, Porträts und Stillleben. Gobillard blieb zeitlebens unverheiratet und widmete sich ganz der Malerei.
Silvia Koller
Nürnberg 1898–1963 Oberwaltersdorf
Als Tochter der Malerin Broncia Koller- Pinell wuchs Silvia Koller in einem von Kunst geprägten Elternhaus auf. Sie studierte in Wien und Berlin, u.a. bei Karl Hofer, und erhielt zeitweise privaten Zeichenunterricht bei Egon Schiele. Sie entwickelte eine eigene, von der Neuen Sachlichkeit geprägte Bildsprache. 1937 zog sie sich auf das Familiengut nahe Wien zurück, wo sie den kranken Vater pflegte. Nach dem „Anschluss“ Österreichs 1938 stellte sie, wohl wegen ihrer jüdischen Herkunft, ihre künstlerische Tätigkeit ein. Erst 1953 nahm Koller ihre Arbeit wieder auf.
Käthe Kollwitz
Königsberg 1867–1945 Moritzburg
Käthe Kollwitz wurde in ihrem Talent schon früh von den Eltern gefördert. Mit 14 Jahren erhielt sie Zeichenunterricht. 1886/87 besuchte sie die Damenakademie des Vereins der Berliner Künstlerinnen. Die versierte Grafikerin wurde zunächst mit ihren Zyklen Ein Weberaufstand und Bauernkrieg berühmt. Nach dem Tod ihres Sohns Peter 1914 als Soldat im Ersten Weltkrieg vertrat sie in ihren Werken immer mehr pazifistische Werte. 1919 wurde sie als erste Frau in die Preußische Akademie der Künste berufen und zur Professorin ernannt. Ab 1928 leitete sie das Meisteratelier für Grafik. Von den Nationalsozialisten wurde sie 1933 entlassen und verfemt.
Elfriede Lohse-Wächtler
Löbtau 1899–1940 Pirna
Elfriede Lohse-Wächtler studierte in Dresden, wo sie mit der Avantgarde um Dix und Felixmüller Kontakte knüpfte. In den 1920er-Jahren schuf sie neusachliche Bilder mit expressiven Tendenzen. Belastet durch eine komplizierte Ehe und finanzielle Unsicherheit, erlitt sie 1929 einen Nervenzusammenbruch und kam in die Staatskrankenanstalt Hamburg- Friedrichsberg. Hier entstanden die Friedrichsberger Köpfe, einfühlsame Porträts von Mitpatientinnen, die in der Kunstwelt Begeisterung auslösten. 1932 erneut in die Psychiatrie eingeliefert, wurde sie als „unheilbar geisteskrank“ dauerhaft interniert und 1940 im Rahmen der NS-„Euthanasie“-Programme ermordet.
Jeanne Mammen
Berlin 1890–1976 Berlin
Jeanne Mammen wuchs als Tochter von deutschen Eltern in Paris und Brüssel auf, studierte dort Kunst und musste nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs nach Berlin zurückkehren. Hier wurde sie im Laufe der 1920er-Jahre zur scharfsichtigen Chronistin des urbanen Lebens. Ihre Zeichnungen und Aquarelle aus dieser Zeit zeigen Szenen der Großstadt, emanzipierte Frauen, queere Milieus. Ihre Werke verbinden kritische Zeitbeobachtung mit Empathie und wurden in zahlreichen Zeitschriften wie dem Simplicissimus abgedruckt. Unter den Nationalsozialisten verfemt, arbeitete sie im Verborgenen weiter und blieb bis ins hohe Alter künstlerisch aktiv.
Else Meidner
Berlin 1901–1987 London
Else Meidner entstammte einer jüdischen Berliner Familie und wandte sich früh der Kunst zu, gefördert u. a. von Käthe Kollwitz. Sie nahm Zeichenunterricht an der Lewin-Funcke-Schule bei Ludwig Meidner, den sie 1927 heiratete. Ihr Werk umfasst expressive Radierungen, Zeichnungen und Malerei. Immer wieder befasste sie sich mit dem Menschenbild, vorzugsweise mit dem eigenen Selbst als Frau und Künstlerin. 1932 erhielt sie in Berlin eine erste Einzelausstellung. 1938/39 floh die Familie vor den Nationalsozialisten nach England, wo sie unter prekären Bedingungen lebte. Anders als Ludwig Meidner
Paula Modersohn-Becker
Dresden 1876–1907 Worpswede
Die Malerin Paula Modersohn-Becker gilt unbestritten als Wegbereiterin des deutschen Expressionismus. Nach dem Besuch von privaten Kunstschulen in Berlin und Paris schloss sie sich 1898 der Künstlerkolonie Worpswede an. 1901 heiratete sie Otto Modersohn. Sie reiste auch weiterhin nach Paris, wo sie meist mehrere Monate verbrachte und Malkurse besuchte. Modersohn-Beckers Werk beeinflusste die Moderne nachhaltig: In Porträts, Stillleben und Akten verband sie Einflüsse des Impressionismus und Postimpressionismus mit radikal neuer Ausdruckskraft. 1907 starb sie mit nur 31 Jahren nach der Geburt ihrer Tochter.
Gabriele Münter
Berlin 1877–1962 Murnau a. Staffelsee
Gabriele Münter stammte aus einer wohlhabenden Familie, was ihr das Studium an privaten Kunstschulen ermöglichte. In München begegnete sie 1902 an der progressiven Phalanx-Schule Wassily Kandinsky, mit dem sie eine intensive künstlerische und private Verbindung einging. Während des Ersten Weltkriegs lebte sie in Skandinavien, ab 1920 wieder in Murnau. Münters Bildsprache changiert zwischen expressiver Farbigkeit, reduzierter Form und tiefer Empfindung. Als Mitbegründerin der N.K.V.M. und des Blauen Reiters erfuhr sie zu Lebzeiten Anerkennung, ihre Bedeutung wurde jedoch zu Unrecht lange hinter die ihrer Weggefährten zurückgestellt.
Hanna Nagel
Heidelberg 1907–1975 Heidelberg
Hanna Nagel wuchs in einer bürgerlichen Familie auf und erhielt früh Zeichen- und Klavierunterricht. Ab 1925 studierte sie in Karlsruhe bei Walter Conz und Karl Hubbuch, später in Berlin bei Emil Orlik. In ihren frühen, der Neuen Sachlichkeit nahestehenden Arbeiten untersuchte sie mit scharfem Blick Geschlechterrollen, Machtgefälle und die Vereinbarkeit von Mutterschaft und künstlerischer Arbeit. 1931 heiratete sie den Künstler Hans Fischer. Auch die kritische Betrachtung dieser Beziehung floss in ihre Werke ein. Während der NS-Zeit wich Nagel auf eine symbolhafte, vermeintlich unverfängliche Bildsprache aus. Ihr kritisches Frühwerk wurde erst nach ihrem Tod wiederentdeckt.
Emma Ritter
Vechta 1878–1972 Oldenburg
Emma Ritter erhielt ihre Ausbildung an privaten Malschulen, u. a. in Berlin bei Lovis Corinth. Bei Aufenthalten im Nordseebad Dangast lernte sie die Brücke-Künstler Karl Schmidt-Rottluff, Erich Heckel und Max Pechstein kennen. Der enge Austausch mündete ab 1910 in gemeinsame Ausstellungen und prägte Ritters expressionistisches Werk. Sie schuf vor allem Gemälde und Holzschnitte und zählt zu den wenigen Künstlerinnen im Umfeld der Brücke. 1921 wurde Ritters künstlerischer Werdegang jäh unterbrochen: Sie verließ Berlin, um in Oldenburg ihre kranke Mutter zu pflegen – bis zu deren Tod 1939. Danach konnte sie nur noch bedingt an frühere Erfolge anknüpfen.
Emy Roeder
Würzburg 1890–1971 Mainz
Emilie Julie Sofie Roeder, genannt Emy, besuchte ab 1908 die Zeichen- und Bildhauerklasse des Polytechnischen Zentralvereins Würzburg. Sie setzte ihre Ausbildung privat fort, der Besuch einer Kunstakademie blieb ihr verwehrt. 1915 ging sie nach Berlin, um eigenständig künstlerisch zu arbeiten. Sie stellte mit verschiedenen Gruppen aus und trat dem Verein der Berliner Künstlerinnen bei. Museen kauften ihre Werke. 1936 erhielt sie ein Florenz-Stipendium. 1937 von den Nationalsozialisten als „entartet“ diffamiert, blieb sie in Italien und kehrte erst 1949 dauerhaft zurück. Roeders Werk zeichnet sich durch eine eigenständige, zunehmend stilisierte Bildsprache aus.
Martel Schwichtenberg
Hannover 1896–1945 Sulzburg
Justine Adele Martha Schwichtenberg besuchte ab 1914 in Düsseldorf eine private Kunstschule, später die Kunstgewerbeschule. Früh begann sie auszustellen und entwickelte sich zu einer wichtigen Vertreterin der Neuen Sachlichkeit. Die vielseitige Künstlerin zog 1920 nach Berlin und wurde Teil der Avantgarde-Bewegung. Ein Vertrag mit der Firma Bahlsen verschaffte ihr ein verlässliches Einkommen. 1933 emigrierte sie nach Südafrika. Während einer privaten Reise nach München wurde sie vom Kriegsausbruch überrascht, die Rückkehr nach Südafrika war unmöglich. Einsam und krank verbrachte sie ihre letzten Lebensjahre in Sulzburg.
Alice Sommer
Dresden 1898–1982 Rotthalmünster
Alice Sommer studierte an der Dresdener Kunstgewerbeschule zunächst „Mode“. 1920 wechselte sie an die Kunstakademie. Der Impressionist Max Feldbauer erkannte ihr Talent: Sie wurde Einzelschülerin bei ihm. Seine Einflüsse sind spürbar, doch entwickelte sie einen eigenständigen, von ungewöhnlichen Blickwinkeln geprägten Stil. Obwohl Alice Sommer nur wenige Jahre künstlerisch tätig war, zählt sie zu den markanten Stimmen der 1920er-Jahre. Nach Heirat und Geburt des Sohnes gab sie um 1928 die Kunst weitgehend auf. Ein Großteil ihres Werks ging 1945 bei den Luftangriffen auf Dresden verloren. Nach dem Tod ihres Mannes 1966 lebte sie bei ihrem Sohn in Bayern.
Suzanne Valadon
Bessines-sur-Gartempe 1865–1938 Paris
Suzanne Valadon wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf und musste früh selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen. Am Pariser Montmartre arbeitete sie als Modell für avantgardistische Künstler wie Renoir, Toulouse-Lautrec und Gauguin und erhielt von ihnen erste künstlerische Impulse. Edgar Degas erkannte ihr Talent und förderte sie. Eine formale Ausbildung an einer Kunstschule erhielt sie nie. Valadon wurde dennoch Malerin und 1894 als erste Frau in die Société Nationale des Beaux-Arts aufgenommen. Mit ihren post-impressionistischen Werken prägte sie die französische Moderne. Ihr Sohn Maurice Utrillo wurde ebenfalls ein bedeutender Künstler.
Paula Wimmer
München-Solln 1876–1971 Dachau
Paula Wimmer, die aus einer wohlhabenden Familie stammte, erhielt Kunstunterricht an privaten Schulen in München, Paris und Florenz. Bei Studienreisen in Europa traf sie führende Köpfe der künstlerischen Avantgarde. Um 1916 wählte sie Dachau als neuen Lebensmittelpunkt. Zu dieser Zeit fand sie einen eigenständigen, dem Expressionismus nahestehenden Stil. In den 1920er- und 30er-Jahren war sie international erfolgreich, ehe ihre Werke von den Nationalsozialisten als „entartet“ diffamiert und teilweise zerstört wurden. Nach dem Krieg beteiligte sie sich wieder an Ausstellungen, unter anderem im Münchner Haus der Kunst.
Julie Wolfthorn
Thorn 1864 – 1944 Ghetto Theresienstadt
Julie Wolfthorn besuchte ab 1886 die Mal- und Zeichenschule des Vereins der Berliner Künstlerinnen und später die Pariser Akademie Colarossi. 1898 war sie Gründungsmitglied der Berliner Secession und stellte regelmäßig in renommierten Galerien aus. Vor allem ihre psychologisch einfühlsamen Porträts waren gefragt. Ab 1905 wandte sie sich der verstärkt der Landschaftsmalerei zu. Im Gegensatz zu den oft ernsten Porträts sind diese Arbeiten von einer gelösten Farbigkeit. Nach der Machtübernahme 1933 schlossen die Nationalsozialisten Wolfthorn als Jüdin aus allen Institutionen aus. 1942 wurde sie nach Theresienstadt deportiert, wo sie 1944 starb.
Aktuell zur Ausstellung
Begleitprogramm
Kunst-Kaffee-Kommunikation
Führung durch die Ausstellung GEGEN ALLE WIDERSTÄNDE – Künstlerinnen der Moderne mit Anne Hundhausen und anschließendes Gespräch zum Thema: „Die Rolle der Frau im Handwerk der Steinmetzen und in der Kunst der Steinbildhauerei“. Im „Ludwig 17“ diskutieren Dr. Brigitte Schad (Leiterin KirchnerHAUS Museum) und Ulrike Ader (Leiterin der Städtischen Meisterschule für Steinbildhauerinnen und Steinbildhauer) dieses Thema mit Studierenden der Aschaffenburger Meisterschule und den Teilnehmenden der Veranstaltung bei Kaffee und Kuchen.
Ticket: 15,00 €, zzgl. Eintritt
„Ich hatte mir fest vorgenommen, Künstlerin zu werden. Und ich war trotzig.“
Szenische Lesung aus Briefen und Tagebucheinträgen mit dem 12 Stufen Theater
Die Künstlerinnen der Moderne haben nicht nur durch ihre Werke Spuren hinterlassen, sondern auch in Briefen und Tagebüchern ihre Gedanken, Hoffnungen und Kämpfe festgehalten. In einer szenischen Lesung werden diese eindrucksvollen Zeugnisse lebendig und eröffnen ein bewegendes Panorama zwischen künstlerischer Leidenschaft, gesellschaftlichen Widerständen und persönlichem Alltag.
Der Eintritt ist frei.
Führungen
Kunst-Kaffee-Kommunikation
Führung durch die Ausstellung GEGEN ALLE WIDERSTÄNDE – Künstlerinnen der Moderne mit Anne Hundhausen und anschließendes Gespräch zum Thema: „Die Rolle der Frau im Handwerk der Steinmetzen und in der Kunst der Steinbildhauerei“. Im „Ludwig 17“ diskutieren Dr. Brigitte Schad (Leiterin KirchnerHAUS Museum) und Ulrike Ader (Leiterin der Städtischen Meisterschule für Steinbildhauerinnen und Steinbildhauer) dieses Thema mit Studierenden der Aschaffenburger Meisterschule und den Teilnehmenden der Veranstaltung bei Kaffee und Kuchen.
Ticket: 15,00 €, zzgl. Eintritt
Offene Führung durch die Ausstellung : „GEGEN ALLE WIDERSTÄNDE – Künstlerinnen der Moderne“. Preis 5,00 EUR zzgl. Eintritt.












