BLICKWECHSEL Kirchner – Picasso2019-09-07T12:42:17+00:00

BLICKWECHSEL
Kirchner | Picasso
15.11.2019 – 01.03.2020

Porträt und Figur in Papierarbeiten zweier Meister.

Ernst Ludwig Kirchner kam 1880 in Aschaffenburg zur Welt, Pablo Picasso 1881 in Malaga. Die nahezu gleichaltrigen Künstler haben das quantitativ größte und qualitativ wohl bedeutendste druckgraphische Werk der klassischen Moderne geschaffen. Beiden war die Erforschung und Gestaltung des menschlichen Bildnisses ein zentrales Anliegen, dem sie sich teils mit ähnlichen, teils mit gegensätzlichen stilistischen Mitteln näherten und dabei Meisterwerke schufen.

Erstmals setzt sich nun das KirchnerHAUS Museum in Aschaffenburg mit diesem spannenden Thema auseinander, stellt etwa 50 Porträts und Figurenbilder beider Künstler einander gegenüber und sucht Gemeinsamkeiten und Gegensätze aufzuspüren und zu thematisieren. Die Ausstellung konzentriert sich dabei auf Papierarbeiten, denn auf diesem Material als Bildgrund arbeiteten beide Künstler zeitlebens bis zur Besessenheit.

In zwei ganz unterschiedlichen Kulturregionen – der romanischen mit ihrem Kunst- und Kulturzentrum Paris und der norddeutschen mit ihren Schwerpunkten Dresden und Berlin – beginnen beide Künstler um 1904 sich der Druckgraphik zuzuwenden. Kirchner schneidet noch vom Jugendstil beeinflusste Holzschnitte, Picasso schafft zur gleichen Zeit erste Radierungen aus der Welt der Artisten und Gaukler. Sein 1904 geschaffenes Blatt „Das karge Mahl“ ist bereits ein Meisterwerk der Radierkunst. In Deutschland gründet Kirchner in diesem Jahr mit Freunden in Dresden die revolutionäre Künstlergemeinschaft Brücke und setzt damit den Beginn des expressionistischen Holzschnitts, dem Lithographie und Radierung bald darauf folgen.

Vorträge

Mittwoch, 04.12. 2019
Anna Knerr, M.A.: „Die Metamorphose des Wesens
– Figur und Porträt bei Picasso und Kirchner.
Sowohl im Oeuvre Picassos als auch bei Ernst Ludwig Kirchner ist das Porträt zentrales Sujet. Beide entwickeln für sich jedoch eine grundlegend unterschiedliche neue Formensprache. Sie suchen nach denselben Inhalten – nach dem Wesen hinter der vordergründigen Darstellung. Bei beiden Künstlern durchläuft das Porträt einen Prozess der Verwandlung und findet so zu neuem Ausdruck.“

Donnerstag, 23.01.2020
Dr. Thomas Röske: Das Gemälde ‚Reiterin‘, 1931/32
– Entwicklung der Bildidee in Konkurrenz zur zeitgleichen französischen Malerei.
Das große Gemälde „Reiterin“ von 1931/32 ist ein Hauptwerk im so genannten Neuen Stil Kirchners, mit dem er der zeitgenössischen französischen Kunst etwas Eigenes entgegen setzen wollte. Der Referent, Kirchner-Spezialist und Direktor des Museums Sammlung Prinzhorn, Heidelberg gibt in seinem Vortrag Einblicke in den Kontext und die Entstehung des Werkes.

Donnerstag, 27.02.2020
Dr. Dr. Bernd Wengler:Der eigenartigste und beste ist sicher Picasso“ (Ernst Ludwig Kirchner, 1925).
Dieses Kirchner-Zitat aus dem Jahr 1925 nimmt der Referent zum
Anlass, um Kirchners Bezug zu Picasso näher zu analysieren. Kirchner blickte zwar etwas neidvoll auf die großen Erfolge seines gleichaltrigen spanischen Kollegen, erkannte aber die Qualität seiner Werke an. Er ärgerte sich allerdings über Kritiker, die ihm unterstellten, von Picasso beeinflusst zu sein.

Galerie

Die beiden Künstler haben sich nie persönlich kennen gelernt. Kirchners Einschätzungen des Picassoschen Werks zeugen überwiegend von Hochachtung, Äußerungen Picassos zu Kirchners Oeuvre sind hingegen nicht bekannt. Gleichwohl war Picasso von deutscher Kunst, vor allem der Alten Meister, wie Grünewald oder Lucas Cranach, tief beeindruckt und setzte sich, ebenso wie Kirchner, mit dessen Werk auseinander.

Um 1907/08 entdecken beide unabhängig voneinander die sogenannte „primitive Kunst“ mit ihren strengen, archaischen Formen und assimilieren sie ihrem Werk. Danach findet Picasso zum Kubismus; um 1910/1912 schafft er auch in seiner Druckgraphik kubistische Porträts. Kirchner eignet sich die analystische Formauflösung des Kubismus nicht an; eine Deformation des Porträts erfolgt bei ihm selten und ist dort emotional bedingt. Er übersiedelt 1911 nach Berlin und es entstehen dort erste Höhepunkte seines druckgraphischen Werks.

Die stilistisch getrennten Wege, die beide Künstler in den 1910er Jahren gehen, setzen sich in den 1920er und 1930er Jahren fort. Picasso lässt sich in seiner berühmten „Suite Vollard“ von der linienbetonten antiken Vasenmalerei anregen, während Kirchner in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre zu seinem „neuen Stil“ findet. Dieser weist vor allem in seinen „Simultanporträts“ eine Nähe zu Picasso auf, die er jedoch negiert. 1938 stirbt Kirchner und um 1940 beginnt Picasso sein umfangreiches druckgraphisches Spätwerk. Porträts gestaltet er nun häufig in Serien, und in den 1950er und 60er Jahren findet er auch in druckgraphischen Porträts zu einer flächigen, expressiven Gestaltung, die interessante Gegenüberstellungen mit Kirchners frühen Arbeiten ermöglicht.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

FÜHRUNGEN

Kuratorenführungen
Mittwoch 11.12.2019 und Mittwoch 15.01.2020, 18:00 Uhr mit Dr. Brigitte Schad, anschließende Diskussionsrunde im Kirchner- ZIMMER (max.12 Teilnehmer). Anmeldung per Mail oder telefonisch. Gebühr: 12.00 €  (Mitglieder frei)

Öffentliche Führungen
Sonntags, 14.30 Uhr, 2019:
17.11. / 24.11. / 8. 12. / 15. 12. / 22.12. / 29.12.
Sonntags, 14.30 Uhr, 2020:
5.1. / 12.1. / 19. 1. / 26.1. /2.2. / 9.2. / 16.2. / 23.2. / 1.3.
Es führt Anne Hundhausen

Weitere Führungen
Auf Anfrage: info@kirchnerhaus-aschaffenburg.de oder unter 06021 580 290

Führungsgebühr
4,50 € + 5,00 € Eintritt
Für Mitglieder: Eintritt und Führungsgebühr frei

EINTRITT

5,00 €, ermäßigt: 3,00 € (Für Schüler ab 16 Jahre und Studenten mit Ausweis, sowie Menschen mit Behinderung)
Freier Eintritt: Mitglieder des KirchnerHAUS-Vereins, Schüler bis einschl. 15 Jahre und Schulklassen.

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KirchnerFORUM

BLICKWECHSEL
Kirchner | Picasso

15.11.2019 – 01.03.2020

Anhand einer Auswahl von ca. 60 Arbeiten auf Papier werden Porträts der beiden großen Vertreter der klassischen Moderne gegenüber gestellt. Picasso und Kirchner haben beide das quantitativ größte und qualitativ vielleicht bedeutendste druckgraphische Werk der Moderne geschaffen. Dem künstlerischen Erforschen des Menschenbildnisses im Metier der Druckgraphik haben sie sich teilsbmit ähnlichen, teils mit gegensätzlichen stilistischen Mitteln genähert und dabei Meisterwerke geschaffen. Die Ausstellung sucht die Frage zu beantworten, wo die gemeinsame, wo die entgegengesetzte Auffassung in ihrer Darstellung menschlicher Bildnisse liegt und auf welche Weise sie versuchten die „Wahrheit“ des Wesens eines Menschen in seinem Porträt künstlerisch zu erfassen.

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