BLICKWECHSEL
Kirchner | Picasso
15.11.2019 – 01.03.2020

Porträt und Figur in Papierarbeiten zweier Meister.

Ernst Ludwig Kirchner kam 1880 in Aschaffenburg zur Welt, Pablo Picasso 1881 in Malaga. Die nahezu gleichaltrigen Künstler haben das quantitativ größte und qualitativ wohl bedeutendste druckgraphische Werk der klassischen Moderne geschaffen. Beiden war die Erforschung und Gestaltung des menschlichen Bildnisses ein zentrales Anliegen, dem sie sich teils mit ähnlichen, teils mit gegensätzlichen stilistischen Mitteln näherten und dabei Meisterwerke schufen.

Erstmals setzt sich nun das KirchnerHAUS Museum in Aschaffenburg mit diesem spannenden Thema auseinander, stellt etwa 50 Porträts und Figurenbilder beider Künstler einander gegenüber und sucht Gemeinsamkeiten und Gegensätze aufzuspüren und zu thematisieren. Die Ausstellung konzentriert sich dabei auf Papierarbeiten, denn auf diesem Material als Bildgrund arbeiteten beide Künstler zeitlebens bis zur Besessenheit.

In zwei ganz unterschiedlichen Kulturregionen – der romanischen mit ihrem Kunst- und Kulturzentrum Paris und der norddeutschen mit ihren Schwerpunkten Dresden und Berlin – beginnen beide Künstler um 1904 sich der Druckgraphik zuzuwenden. Kirchner schneidet noch vom Jugendstil beeinflusste Holzschnitte, Picasso schafft zur gleichen Zeit erste Radierungen aus der Welt der Artisten und Gaukler. Sein 1904 geschaffenes Blatt „Das karge Mahl“ ist bereits ein Meisterwerk der Radierkunst. In Deutschland gründet Kirchner in diesem Jahr mit Freunden in Dresden die revolutionäre Künstlergemeinschaft Brücke und setzt damit den Beginn des expressionistischen Holzschnitts, dem Lithographie und Radierung bald darauf folgen